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    Beurteilungsfehler im Vorstellungsgespräch

    Die folgenden Informationen sind in erster Linie für Personalverantwortliche gedacht. Wenn Sie das Thema aus Bewerbersicht interessiert, klicken Sie bitte hier


    Mögliche Fehlerquellen des Beurteilers

    Wir unterscheiden ein Vielzahl von sogenannten Beurteilungsfehlern, die uns - nicht nur in Vorstellungsgesprächen - gern in die Irre führen. Meist sind uns diese Verhaltensmuster  unbewusst, beeinflussen jedoch beständig unser Urteilsvermögen. Die häufigsten und für Vorstellungsgespräche besonders relevanten Fehler führe ich im Folgenden auf:
     

    1. Fehler im Denkbereich

    Tendenz zu willkürlicher Verallgemeinerung (Stereotypenbildung)
    hiermit ist ein Art “Schubladen-Denken” gemeint: bestimmte Signale veranlassen uns, die Person in eine bestimmte Kategorie einzuordnen

    Wahrnehmungsfilter (Verhaltenskredite)
    wir nehmen bestimmte Verhaltensweisen beim Bewerber einfach nicht wahr oder entschuldigen sie, weil wir (aus welchen Gründen auch immer) voreingenommen sind. Zum Beispiel führen wir unrichtig beantwortete Fachfragen von - nach Aktenlage - hoch qualifizieren Bewerbern eher auf Nervosität als auf fachliche Defizite zurück. Je höher die Qualifikation des Bewerbers im Vergleich zu unserer eigenen eingestuft wird, desto größer ist die Gefahr.

    Urteile aufgrund Aussagen Dritter
    Wenn uns jemand beispielsweise als überdurchschnittlich intelligent oder “dumm” geschildert wird, schließen wir uns dieser Meinung in Abhängigkeit von der Wichtigkeit und Vertrauenswürdigkeit der schildernden Person gern an. Je höher die hierarchische Position der Person oder/und je enger unsere gegenseitige Beziehung (z.B. ein Freund oder langjähriger Kollege), desto eher schließen wir uns der Beurteilung an.

    Überbewertung von Einzelbeobachtungen (Überstrahlungseffekt)
    Einzelne Signale des Bewerbers wie beispielsweise eine besonders freundliche Begrüssung, besondere Attraktivität, besondere Unsicherheiten, besonders intelligente Antwort auf eine kniffelige Frage oder ein besonders unglücklich gewähltes Outfit überstrahlen andere Qualitäten oder fehlende Qualifikationen - wir nehmen sie einfach nicht mehr wahr.

    bestimmte Eigenschaften färben das Gesamtbild (Rückschlüsse von einer Eigenschaft auf andere)
    Hier bewegen wir uns im Rahmen der beliebten Vorurteile: mollige Menschen sind bequem und langsam / aktive und dynamische Menschen sind mutig, durchsetzungsstark und innovativ / ältere Menschen sind weniger flexibel, lernen ungern Neues / Mütter interessieren sich nur noch für ihre Kinder, worunter die Einsatzbereitschaft, Motivation und Leistungsbereitschaft leidet...... Setzen Sie die Liste beliebig fort.

    Wir neigen dazu, bestimmten Eigenschaften andere Eigenschaften beizuordnen und assoziieren mit einer Eigenschaft weitere. Gerne wird behauptet, dass diese Rückschlüsse aufgrund allgemeiner und auch eigener Erfahrungen entstanden sind, aber:
    diese Vorurteile werden keineswegs richtiger, nur weil sie beinahe jeder kennt, bzw. pflegt. Sie verleiten uns nur zu Fehleinschätzungen, was gerade in der Personalauswahl teure Folgen haben kann.


      2. Fehler im Gefühlsbereich

    F Sympathie oder Antipathie
    F Sperrung gegen fremde Eigenschaften
    F Symboldeutung beim Äußeren (feuchter Händedruck/lange Haare/...)
         Bitte lesen Sie ergänzend hierzu auch:
    Zu schön für die Karriere (pdf)
    F Gruppenegoistische Schönfärberei (alle Personaler sind hochgradig intelligent...) :-)


     3. sonstige Fehler

    F Zeitdruck
    F Eigene Stimmungslage
    F jemandem einen "Gefallen tun" wollen
    F Überbewertung des ersten Eindrucks
            Der erste Eindruck ist keine echte Beobachtung, sondern ein Vergleich von Beobachteten mit Erfahrenem und
            entspricht eher einer Klassifizierung - bitte vergleichen Sie auch mit
    “Stereotypenbildung”
    F negative Infos wichtiger als positive Infos betrachten


    Tipps zur Vermeidung von Beurteilungsfehlern

    F machen Sie sich die Fehlerquellen immer wieder bewusst

    F trennen Sie Beobachtung und Beurteilung (erst genügend Fakten sammeln)

    F Beobachtungen sofort notieren

    F gehen Sie systematisch vor (Vergleichbarkeit)

    F ziehen Sie nur wirklich relevante Beobachtungen zur Beurteilung heran

    F Stärken Sie Ihre Selbsterkenntnis (wie urteile ich/wie wirke ich?)

    F besprechen Sie Ihre Urteile mit anderen

    F Gestalten Sie die Urteilssituation sehr bewusst (Zeit/Stimmungslage) .

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