Fehleinschätzungen anderer Menschen sind an der Tagesordnung. Wir lassen uns blenden vom äußeren
Anschein, von positiven Assoziationen bei der Begegnung und vom ersten Eindruck – meist völlig unbewusst. Die Resultate sind oft persönliche Enttäuschungen, finanzielle Einbußen durch
vertrauensvolle Geldanlagen mit hohen Gewinnversprechen, fehlgeleitete Investitionen, die eigentlich einer sinnvollen Zukunftssicherung dienen sollten, und oft genug einfach auch die
Erkenntnis, dass man wieder einmal zu gutgläubig war. Wie konnte das geschehen?
Sich allgemein vorzunehmen, in Zukunft „schlauer“ zu sein, hilft uns nicht weiter. Es endet im
schlimmsten Fall in ein ungesundes, das menschliche Miteinander störendes, tiefes Misstrauen gegen alles und jedermann. Sehen wir uns mal die üblichsten Beurteilungsfehler etwas genauer an:
Bildung von Zusammenhängen
In unserer Persönlichkeitstheorie vermuten wir oft Zusammenhänge von Eigenschaften und Motiven, die unsere Wahrnehmung beeinflussen. Menschen mit
überflüssigen Pfunden wird auf diese Weise Gemütlichkeit, Freundlichkeit, Bequemlichkeit und Anpassungsfähigkeit zugeschrieben. Langhaarigen Männern eher Unseriosität und sportlich wirkenden
Menschen sagt man Durchsetzungskraft und Dynamik nach. Diese Alltagsweisheiten müssen keineswegs stimmen.
Der erste Eindruck
Wir verlassen uns gern auf unseren
ersten Eindruck und ordnen damit vorschnell Menschen in bestimmte Kategorien ein. Hierbei lassen wir uns leiten von der äußeren Erscheinung, einem Lachen, der allgemeinen Körperhaltung oder
auch vom Gesichtsausdruck unseres Gegenübers.
Verallgemeinerungen
Insgesamt neigen wir dazu, ein einmal gefasstes Urteil zu verallgemeinern. Macht jemand in einer bestimmten
Situation eine kluge Bemerkung, tendieren wir dazu, ihn generell als intelligent und freundlich einzustufen.
Wahrnehmungsfilter
Ein gefälltes Urteil wird nur sehr
selten wieder in Frage gestellt. Wir übersehen einfach andere Hinweise, nehmen sie gar nicht mehr wahr oder entschuldigen ein Fehlverhalten mit einer außergewöhnlichen Situation. So erhalten
unsere Gesprächspartner unbewusst Verhaltenskredite.
Urteile aufgrund Aussagen Dritter
Oft sind wir in unserer Meinungsbildung nicht mehr so frei, wie wir vielleicht
glauben. Positive oder negative Kommentare von Freunden oder guten Bekannten hinterlassen eine tiefe Prägung und ohne dass wir es wirklich merken, schließen wir uns dieser Meinung an.
Anleitung
Menschen wieder als Individuum sehen
Verlassen wir uns nicht auf unseren ersten Eindruck, der nichts anderes wieder gibt als unseren persönlichen
Vergleich des Beobachteten mit unseren bisherigen Erfahrungen. Geben wir unserem Gesprächspartner - und uns - die Chance des echten gegenseitigen Kennenlernens.
Vermeiden wir, negative Informationen wichtiger als positive zu sehen
Hören wir nicht vorschnell auf die gutgemeinten Ratschläge uns vertrauter Personen, sondern bemühen uns um eine unabhängige Meinung
Machen wir uns unsere Fehlerquellen immer wieder bewusst
Denn nur, wenn wir uns unvoreingenommen Zeit für den anderen nehmen, können wir einander wirklich näher kommen und kennen lernen.
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